Meldung vom 24.07.2017 10:24:35
Vergangenes für die Zukunft bewahren - 240 Seiten starkes Heimatbuch mit 70 Fotos und Illustrationen dokumentiert die Ortsgeschichte von Burggrub / Autor ist Willi Bischoff

Die Palette der heimatkundlichen Literatur ist um einen interessanten Band reicher geworden. Willi Bischoff, Jahrgang 1947, hat in jahrelanger, mühevoller Arbeit ein 240 Seiten starkes Heimatbuch mit dem Titel „Burggrub – Geschichte und Geschichten“ geschaffen, das nicht nur für das 800 Einwohner zählende Burggrub, sondern auch für die Großgemeinde Stockheim von großer Bedeutung ist. Die Dokumentation wird ergänzt durch 70 Fotos und Illustrationen aus alter Zeit. Somit stellt das Werk eine interessante Reise in die Vergangenheit der letzten 800 Jahre dar.

Willi Bischoff, mittlerweile 25 Jahre Vorsitzender des Kapellenbauvereins der Grenz- und Friedenskapelle in Burggrub, hat sich seit seiner Schulzeit für die Ortsgeschichte interessiert. Verstärkt wurde das Interesse noch durch seine langjährige Tätigkeit als Gemeinderat und als Kirchenvorstandsmitglied. Sein Wunsch, dieses Wissen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, ist nun in Erfüllung gegangen. Die Auflage beträgt 500 Exemplare. Das Buch kann erworben werden im Stockheimer Rathaus, im Pfarramt Burggrub, beim Landkaufhaus Ehrsam in Burggrub, beim Geschäft Klinger in Haig sowie beim Autor selbst.

Das Heimatbuch gleicht einer Liebeserklärung an das traditionsbewusste Burggrub, das seit Jahrhunderten als Grenzgemeinde – vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg – eine bedeutende Rolle eingenommen hat. Willi Bischoff erinnert an die schwierige Zeit der Heimatvertriebenen. Der spektakuläre Waggonraub der Russen im Jahre 1949 wird ebenso erwähnt. Die Öffnung des „Eisernen Vorhangs“ im November 1989 und die daraus resultierenden freundschaftlichen Kontakte mit dem thüringischen Neuhaus-Schierschnitz sowie der ehrenamtliche Bau der Grenz- und Friedenskapelle nehmen in der Dokumentation einen hohen Stellenwert ein. Dies gilt auch für die uralte Kirchengeschichte mit dem ehrwürdigen Gotteshaus St. Laurentius. Nicht zuletzt hat die lutherische Reformation vor 500 Jahren deutlich ihre Spuren in der Dorfgemeinschaft hinterlassen. Ergänzende Informationen durch Georg Heinlein, Roland Graf, Dr. Klaus Loscher, Rudolf Pfadenhauer und Werner Ranzenberger sind ebenfalls in das Buch mit eingeflossen. Weitere Unterstützung erfuhr Willi Bischoff von Hans-Dieter Klinger, Hans Parnickel, Thomas Bischoff und Berthold Schwämmlein. Bilderlieferanten waren außerdem Wolfgang Rosenbauer, Siegfried Hauck, Gerd Fleischmann, Otto Heinlein und Reinhard  Kießling.  

Nicht weniger interessant sind die alten Gemeindeprotokolle von 1865 bis 1961, die erahnen lassen, wie mühevoll der Aufbau des bäuerlich geprägten Gemeinwesens einstmals war. Dazu zählen das Schulwesen sowie die Handwerksbetriebe. Mit dem Bau der Eisenbahnnebenstrecke Stockheim-Burggrub-Neuhaus-Sonneberg in den Jahren 1900 bis 1901 ergaben sich neue wirtschaftliche Perspektiven. In der Porzellanfabrik Arthur Schoenau und Cuno Hoffmeister, später Horst Eversberg, konnten bis zu 200 Personen, vor allem auch Frauen, beschäftigt werden. Genauso bedeutsam waren für Burggrub die Steinkohlenzechen in Stockheim und Reitsch sowie die Glasfabrik Sigwart und Möhrle in Stockheim.

Bürgermeister Rainer Detsch bezeichnete das Buch als Meilenstein in der Ortsgeschichte von Burggrub. Gerade in der heutigen Zeit des Umbruchs nehme der Begriff „Heimat“ einen hohen Stellenwert ein. Willi Bischoff habe mit dieser Leistung für die Bürgerschaft eine wertvolle Orientierungshilfe geleistet. Mit diesem Heimatbuch, so Ortsheimatpfleger Gerd Fleischmann, werde dem Bürger eine ausgezeichnete Chance geboten, sich mit der eigenen Geschichte vertraut zu machen. „Vor allem in Zeiten der Globalisierung ist es besonders wichtig, das Profil der einzelnen Regionen zu schärfen.“   

Heimatbuch Burggrub
Das erste Exemplar des Heimatbuches „Burggrub – Geschichte und Geschichten“ von Willi Bischoff (rechts) erhielt Bürgermeister Rainer Detsch.

Porzelanfabrik Burggrub
Mit dem Bau der Eisenbahnnebenstrecke Stockheim-Burggrub entstand im Jahre 1900 eine Porzellanfabrik mit bis zu 200 Arbeitsplätzen.

Burggrub 1966
Unter der Linde war ein beliebter Treffpunkt für die ältere Generation. Von links: Johann Ehrsam, Richard Popp, H. Ehrsam, Hans Loscher, Richard Wilde, ganz rechts Peter Kalb. Die Aufnahme entstand 1966.

Text und Fotos: Gerd Fleischmann