Meldung vom 07.04.2017 07:35:46
Engelessteg hat neues Gesicht bekommen

Der uralte Engelessteg, der vor allem den Ortsteil Reitsch mit dem Haßlachtal verbindet und im September vorigen Jahres abgerissen wurde, hat am Donnerstag eine 23 Meter breite  Stahlkonstruktion erhalten. Ein 125-Tonnen-Kran aus Coburg hievte die zwölf Tonnen Stahl mühelos über den Haßlachfluss auf die Betonfundamente. Die neue Geh- und Radwegbrücke ist jetzt 2,50 Meter breit und kostet 240 000 Euro. Die Durchgangsbreite der alten Version lag bei 80 Zentimetern. Die Zuschussbeteiligung der Regierung beläuft sich auf 65 Prozent. In den nächsten Tagen erfolgen die Abschlussarbeiten.

Bürgermeister Rainer Detsch zeigte sich bei der Besichtigung des Engelesstegs erleichtert über den Baufortschritt, der aufgrund von Engpässen der Bauträger erheblich verzögert wurde. Schließlich sei die Brücke für die Reitscher eine wichtige Verbindung zu den Stockheimer Märkten.

Zum historischen Hintergrund des Flußübergangs sagte Heimatforscher Georg Heinlein aus Haßlach, dass der Name „Engelessteg“ vom Gemeindeanger abgeleitet wurde. Den Anger hatten die Reitscher an die Kronacher Floßherren verpachtet. Sie ließen ihr Holz, dass sie bis hinauf nach Reichenbach kauften, bei gefrorenen Böden über den Höhenweg der ehemaligen Handelsstraße durch die Reitscher Grün zum Holzlagerplatz auf den Anger an der Haßlach bringen. Von dort aus wurden die Fichtenstämme nach Kronach geflößt. Etwa 120 Meter unter dem Angersteg floss die Haßlach vor 1934 in südöstliche Richtung bis zum „Hexennest“ und von da in südwestlicher Richtung zum Haßlacher Mühlwehr. Im unteren Bereich des Gemeindeangers ist auch der Standort der abgegangenen Reitscher Dorfmühle. Die Flurbezeichnung Wüstmühl“, so Heinlein, erinnert an diese Mühle.

Vor dem Bau der Staatsstraße von Haßlach nach Burggrub mit der Abzweigung nach Haig, der Straße nach Stockheim und dem Eisenbahnbau 1863 war der Angersteg ein regelrechter Verkehrsknotenpunkt für die Bevölkerung. Die uralte Handelsstraße von Nürnberg nach Leipzig hat von Kronach aus kommend, etwa 80 Meter vom Angersteg zum ersten Mal den Haßlachfluss mittels einer Furt durchquert. Sie verlief weiter durch Reitsch, Reitscher Grün, Posseck, Marienroth, Teuschnitz, Haßlach bei Teuschnitz nach Lehesten.

Außerdem verlief ein Verbindungsweg in Richtung Burggrub und Neuhaus ins thüringische Gebiet. Dieser Weg besteht teilweise heute noch bis an die B 85. Die Demontage der Eisenbahnbrücke zwischen Stockheim und Haßlach erfolgte vor etwa 30 Jahren.   

Engelessteg

Engelessteg

Engelessteg

Der 23 Meter breite Engelessteg hat über den Haßlachfluss eine zwölf Tonnen schwere Stahlkonstruktion erhalten.

Text und Fotos: Gerd Fleischmann

 Engelessteg

Bürgermeister Rainer Detsch (rechts), Günther Hempfling, Rainer Förtsch (beide Gemeindeverwaltung) sowie Daniel Gorl (Günther-Bau) und Stefan Engelhardt (SRP Kronach) verfolgen aufmerksam den Montagefortschritt am Engelessteg.