Meldung vom 04.09.2017
25 Jahre Grenz- und Friedenskapelle bei Burggrub – Eine Oase der Menschlichkeit

25 Jahre ist es nun her, dass die Grenz- und Friedenskapelle am ehemaligen Todesstreifen zwischen Burggrub (Landkreis Kronach) und dem thüringischen Neuhaus-Schierschnitz auf Grund privater Initiative durch Regionalbischof Wilfried Beyhl aus Bayreuth eingeweiht wurde. Die internationale Jugendbegegnung mit 280 Jugendlichen aus 21 Ländern sowie der Kreuzweg mit sieben Stationen bildete dazu einen würdigen Rahmen. Die spektakuläre Grenzöffnung, die 1989 die Weltöffentlichkeit bewegte, war der historische Hintergrund für diesen beachtenswerten Einsatz des 1990 gegründeten Kapellenbauvereins Burggrub, der von Willi Bischoff seit nunmehr 25 Jahren sehr engagiert geleitet wird.

Tausende von Menschen haben bisher diese eindrucksvolle Gebetsstätte am ehemaligen „Eisernen Vorhang“ besucht und um den Frieden in dieser Welt gebetet. Nach wie vor bewegt das schlichte Gotteshaus die Menschen und ermahnt sie, das Vereinende zu suchen und das Trennende zu überwinden. Der Geist der Friedenskapelle wirkt weit über die Region hinaus. Diese Stätte – vom Kapellenbauverein liebevoll ganzjährig betreut,  ist ein Ort der Erinnerung, der Dankbarkeit und letztendlich der Hoffnung.

Der 43 Mitglieder starke Kapellenbauverein Burggrub wird am Sonntag, 3. September, in gebührender Weise dieses Jubiläum begehen. Dazu werden um 10 Uhr hochkarätige Kirchenvertreter erwartet. Die thüringische Landesbischöfin Ilse Junkermann hält die Festpredigt, für den Gottesdienst ist Pfarrer Michael Foltin (Burggrub) zuständig. Die musikalische Umrahmung erfolgt durch die Posaunenchöre Burggrub, Neuhaus-Schierschnitz, Mitwitz und durch den Jugendposaunenchor Elisabeth Sibbor. Vor dem Gottesdienst ist um 9.45 Uhr eine Kirchenparade der Burggrüber Vereine ab Abzweigung Burggrub West vorgesehen. Grußworte sprechen Dekanin Dorothea Richter, die Superintendenten Dr. Ulrich Lieberknecht und Wolfgang Krauß, Altbürgermeister Hennrik Oberender sowie die Bürgermeister Rainer Detsch (Stockheim) und Andreas Meusel (Neuhaus-Schierschnitz), Pater Waldemar (Glosberg), Landrat Klaus Löffler sowie Architekt Alexander Treiber.

Als am 9. November 1989 in Berlin und wenige Tage später, am 24. November 1989 in Burggrub, die Mauer zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR fiel, war es für die Bürger der Ortschaft Burggrub eine Selbstverständlichkeit, dass für dieses Ereignis, der friedlichen Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten, ein sichtbares Zeichen für die Nachwelt gesetzt werden musste.

So gründete sich in Burggrub ein Kapellenbauverein zunächst mit 17 Visionären  unter der Leitung von Hubert Knauer. Maßgeblich unterstützt wurden sie durch Pfarrer Detlef Sibbor und durch Vikar Friedrich Hohenberger. Für die Planung zeichnete Architekt Alexander Treiber (Schenkenau-Itzgrund) verantwortlich. Der Grundstein wurde am 24. November 1991 gesetzt. Und im Juni 1992 konnte dann das Richtfest gefeiert werden. Die Weihe erfolgte am 6. September 1992.

Die Kapelle wurde hauptsächlich in Eigenleistung mit Zuschüssen von der Gemeinde Stockheim und vom Kreis Kronach gebaut. Hinzu kamen Spendengelder. Schließlich brachten die Mitglieder 1100 Stunden an Eigenleistung auf. Für die Realisierung waren trotzdem noch 64.000 Mark erforderlich.

Der Standort am ehemaligen Todesstreifen wurde so gewählt, dass er in unmittelbarer Nähe zum ehemaligen Schlagbaum an der Bundesstraße 89 zwischen Burggrub auf Bayerischer und Neuhaus-Schierschnitz auf Thüringer Seite liegt. Die Kapelle, so die Vorstellung des Architekten, soll einen Ausschnitt der Weltkugel mit einem davor stehenden russischen Wachturm als Glockenturm darstellen. Der Innenraum ist so gestaltet, dass der Christuskönig den Stacheldrahtzaun, also die einst schreckliche Grenze, öffnet. Vor allem soll die Kapelle die Besucher an die gefallene Grenze, an die friedliche Wiedervereinigung und an den Weltfrieden erinnern.

Auch 25 Jahre nach der Weihe ist die Grenz- und Friedenskapelle – sie hat übrigens in Deutschland ein Alleinstellungsmerkmal - ein mystischer Anziehungspunkt geblieben. Sie bezeugt, dass selbst eine so schreckliche Grenze wie der Eiserne Vorhang mit Wachtürmen, Minenfeldern und Selbstschussanlagen friedlich überwunden werden kann. Verantwortlich für dieses außergewöhnliche Bauwerk sind heute Vorsitzender Willi Bischoff, sein Stellvertreter Kurt Wöhner, Finanzvorstand Uwe Günther, Schriftführer Friedrich Beetz, Revisoren Hubert Knauer und Reinhard Kalb sowie die Ausschussmitglieder Annemarie Wöhner, Reinhard Kießling, Angelika Rosenbauer.    

Friedenskapelle

Die Grenz- und Friedenskapelle bei Burggrub wurde am ehemaligen „Todesstreifen“ der DDR aufgrund einer Privatinitiative Burggrüber Bürger gebaut. Die Weihe erfolgte vor 25 Jahren durch Oberkirchenrat Wilfried Beyhl.  

 Friedenskapelle

Blick in das schlichte Innere der Friedenskapelle mit einem in Bronze gearbeiteten Christuskönig. Als Altar dient ein Sandsteinquader. Dahinter stehen Teile des zerborstenen Grenzzaunes.  Seit 25 Jahren ist Willi Bischoff Vorsitzender des Kapellenbauvereins. 

 Friedenskapelle

Größtenteils ist die Vorstandschaft des Kapellenbauvereins Burggrub seit Gründung im Jahre 1990 bis heute tätig. Von links: Reinhard Kalb, Hubert Knauer, Reinhard Kießling, Friedrich Beetz, Annemarie Wöhner, Kurt Wöhner, Willi Bischoff, Angelika Rosenbauer und Uwe Günther.

Text und Fotos: Gerd Fleischmann




Leistungen des Kapellenbauvereins Burggrub gewürdigt:
Geist der Grenz- und Friedenskapelle wirkt weit über die Region hinaus Landesbischöfin Ilse Junkermann hielt Predigt beim 25-jährigen Jubiläum

Auch 25 Jahre nach ihrer Errichtung und Weihe hat die zwischen der Ortschaft Burggrub und ihrer thüringischen Nachbargemeinde Neuhaus-Schierschnitz gelegene Grenz- und Friedenskapelle – sie ist deutschlandweit einmalig - nichts von ihrer Symbolkraft verloren. Nach wie vor bewegt dieses Gotteshaus die Menschen und mahnt sie, das Vereinende zu suchen und das Trennende zu überwinden. Die Christen aus der Region feierten in würdiger Weise das 25-jährige Jubiläum der Weihe dieses einmaligen Dokuments der Dankbarkeit.

Die Landesbischöfin der evangelischen Landeskirche Mitteldeutschlands, Ilse Junkermann (Magdeburg), hielt die Predigt. Ihre Ausführungen gipfelten in der Feststellung, dass auch schreckliche Grenzen, wie einst der Eiserne Vorhang zwischen den beiden deutschen Staaten, friedlich überwunden werden können. Die Kapelle vermittle den Menschen „Wir können ans Leben glauben!“ Zusammen mit der Landesbischöfin zelebrierten Pfarrer Michael Foltin und Superintendent Wolfgang Krauß den Gottesdienst. Die musikalische Umrahmung erfolgte im Beisein zahlreicher Gläubiger durch die vereinigten Posaunenchöre Burggrub und Neuhaus-Schierschnitz unter der Stabführung von Siegfried Hauck sowie durch den Jugendposaunenchor aus Ordenburg unter der Leitung von Elisabeth Biskupek, geborene Sibbor, Tochter des damaligen Pfarrers und Hauptinitiators der Kapelle, Detlef Sibbor.

In seiner Begrüßung erinnerte der Vorsitzende des 43 Mitglieder starken Kapellenbauvereins, Willi Bischoff, an die Entstehungsgeschichte dieses außergewöhnlichen und in Deutschland einmaligen Bauwerks, das am einstigen Eisernen Vorhang unter großer Opferbereitschaft errichtet worden war. Willi Bischoff: „Sinn und Zweck dieser Kapelle ist es, an die einstige unselige Grenze zu erinnern und den Frieden in der Welt anzumahnen. Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass sich diese Gedenkstätte zu einem Ort der Einkehr und zu einem Kummerkasten für Beladene entwickelt hat.“ Die 16 Gästebücher geben Zeugnis ab, wie viele Tränen an diesem Ort vergossen wurden sowie Leid und Schmerz in Gebeten vor Gott gebracht wurden, betonte Bischof, der seit 25 Jahren engagiert den Kapellenbauverein leitet.

Wie Landesbischöfin Ilse Junkermann ausführte, sei vor der Wende der Blick zum Himmel für viele ein Fenster der Hoffnung gewesen. Nach wie vor müsse dieses Fenster aufgrund der schwierigen Entwicklung des Weltgeschehens offen gehalten werden. Und gerade diese Kapelle sei ein sichtbares Zeichen der Hoffnung, die eine unendlich starke Kraft sei. Kritisch ging die Landesbischöfin auf die heutige Zeit ein, denn der Wind des Wandels zum Guten hin, zu Frieden und einem gerechten Miteinander scheint weitergezogen zu sein. Ja, immer häufiger blase uns eher ein scharfer Wind ins Gesicht. „Da schlagen mächtige Herren Töne an, die uns fragen lassen: Sind wir am Beginn eines Rückfalls in den Kalten Krieg? Und neue Grenzen werden errichtet. Nur unter tödlicher Gefahr sind sie überwindbar, die Grenzen nun nicht mehr durch, aber um Europa herum. Und durch unser Land gehen neue, unsichtbare, aber schmerzhafte Grenzen, die die Menschen teilen in Reiche, die immer reicher werden, und Arme, die von einem Tag auf den anderen das Nötigste zusammen kratzen müssen. Und die Kinder, viel zu viele Kinder werden in unserem reichen Land in Armut groß.“ Diese Welt, so die Landesbischöfin, brauche Hoffnung. Sie sei eine unglaublich starke Kraft. Und diese Kapelle sei eine starke Hoffnung. 

Superintendent Ulrich Lieberknecht, der bei der Grundsteinlegung und Weihe mit dabei war, meinte, dass man beim Anblick der Kapelle Glücksgefühle und Dankbarkeit erlebe, dass vor allem die schreckliche Grenze Geschichte geworden ist. Vor allem sei man dankbar dafür, dass der Eiserne Vorhang in friedlicher Weise geöffnet wurde.

Die Glückwünsche des Dekanats Kronach-Ludwigsstadt überbrachte  Pfarrerin Alina Ellgring stellvertretend für die erkrankte Dekanin Dorothea Richter. „Ich wünsche mir, dass diese Kapelle ein Zeichen dafür bleibt, wie der Glaube Grenzen überwinden hilft, dass sie ein Ort bleibt, wo Menschen einzeln und gemeinsam zum Nachdenken kommen und miteinander Gottesdienst feiern“, so Pfarrerin Ellgring.

Altbürgermeister Hennrik Oberender erinnerte an die stürmische Zeit nach der Wende im Jahre 1989. Die kleine Kapelle sei einzigartig, sie verbinde in besonderer Weise Neuhaus-Schierschnitz und Stockheim, insbesondere mit Burggrub. Vor allem habe man sich gemeinsam an den schwierigen  kommunalen Aufbau gewagt.

Architekt Alexander Treiber, der insbesondere an die Aufbauphase mit Pfarrer Detlef Sibbor erinnerte, beglückwünschte den Kapellenbauverein Burggrub mit Willi Bischoff an der Spitze für das Zustandekommen und für die Betreuung der Friedenskapelle. „Demokratie wurde mit Leben erfüllt.“

Bürgermeister Rainer Detsch: „1989 war das Jahr des Triumphes von Frieden und Freiheit. Wir alle sind auch heute noch – wie damals - sehr berührt vom Mut der Menschen, eine furchtbare Grenze inmitten unseres Vaterlandes überwunden zu haben.“ Allerdings müsse man auch heute noch für die Freiheit kämpfen, denn wenn Mehrheiten aufhören, sich aktiv für Frieden und Freiheit einzusetzen, drohen Gefahren, das Erreichte zu verlieren. Im Namen der gesamten kommunalen Familie dankte Rainer Detsch allen Frauen und Männern, dass sie dieses Kleinod mit großem Einsatz pflegen und erhalten. „Diese Kapelle ist das Zeichen einer starken, friedliebenden Gemeinschaft und eine Quelle für Kraft und neuen Mut“, so abschließend Stockheims Bürgermeister.

Jubiläumsakt Friedenskapelle Burggrub
Groß war die Beteiligung der Bevölkerung beim Jubiläumsfestgottesdienst mit Feier des Heiligen Abendmahles anlässlich 25 Jahre Grenz- und Friedenskapelle bei Burggrub.

Jubiläumsakt Friedenskapelle Burggrub
Den Gottesdienst zelebrierten (von links) Pfarrer Michael Foltin, Superintendent Wolfgang Krauß sowie Landesbischöfin Ilse Junkermann.

Jubiläumsakt Friedenskapelle Burggrub
Die Posaunenchöre aus Burggrub, Neuhaus-Schierschnitz sowie Ordenburg umrahmten unter der Leitung von Siegfried Hauck den Gottesdienst an der Grenz- und Friedenskapelle.

Jubiläumsakt Friedenskapelle Burggrub
Die Festpredigt hielt Landesbischöfin Ilse Junkermann.

Jubiläumsakt Friedenskapelle Burggrub
Mit Geldspenden unterstützten die Gemeinden Stockheim sowie Neuhaus-Schierschnitz den Kapellenbauverein. Von links: Bürgermeister Andreas Meusel, Neuhaus-Schnierschnitz, Willi Bischoff, Vorsitzender des Kapellenbauvereins sowie Bürgermeister Rainer Detsch, Stockheim.

Jubiläumsakt Friedenskapelle Burggrub
Vor 25 Jahren beteiligte sich Alexandra Marciniak aus Polen an der internationalen Jugendbegegnung mit 280 Jugendlichen aus 21 Ländern. Auch diesmal war sie dabei.

Text und Bilder: Gerd Fleischmann